26.02.2021

nichtmal mehr kochen kann ich. alles brennt an und fällt runter, mag sein, dass mir auch die wörter anbrennen, dass sie deswegen so seltsam aussehen, wenn ich sie tippe. der landwehrkanal war gefroren und nun ist er es nicht, es war kalt und dann warm und nun wieder kalt, aber ich merke eigentlich nichts, weil ich die verbrannten wörter suche. es war purim und dann nicht, es ging sehr schnell, der übergang, die hamantaschen auf dem schreibtisch bitten mich eigentlich nur darum, mich mal mehr zu bewegen, den rücken zu dehnen, die fingerspitzen zur decke zu recken und liebevoll zu atmen, dabei mag ich meine lungen ebenso wenig wie meinen bauch und das ist in ordnung. auf den fingerspitzen finde ich palimpsesten der liebevollen atmung, in der lunge lohnt es sich nicht zu suchen, es ist schon zu lang her, in toulouse, auf dem dreckigen teppich im wohnheim, erinnere ich mich, habe ich liebevoll geatmet und bekam eine magenentzündung.

22.02.2021

so wie man wörter überall findet, sobald man sie lernt, finde ich hinweise auf eine vergangenheit, die sich zwischen den umzugskisten und den weißen blusen versteckt hielt, sobald mir auffällt, dass sie meine ist, diese vergangenheit. auf zigaretten, die ich mal geraucht habe. auf wimpernschläge, auf lieder, die ich nicht mehr mag. auf geschlossene augen auf bartoiletten, hinter denen ich deals geschlossen habe mit mir selbst. nun verhandel ich andere sachen, versuche, deals mit der sonne zu schließen und mit den bandscheiben: wenn ich lieb zu euch bin, seid ihr es zu mir.

während die sonne untergeht, teilen wir eine portion pommes und kurz fühlt sich alles leicht an, die fettigen finger, das salz, der sanfte blick. wie mörtel zwischen unseren stressbausteinen fühlen sich die pommes kurz an. hinter der synagoge geht die sonne unter und ich summe die melodie der hawdalah, obwohl montag ist. gestern war ein großer festakt wegen den 1700 jahren jüdischen lebens in deutschland und ich muss immerzu daran denken, dass das ZDF mich im sommer gefragt hat, ob ich auf gepackten koffern säße. ich habe geantwortet, wohin ich denn gehen sollte. ich frage es mich heute wieder, wohin soll man gehen, wenn hier die pommes am besten schmecken, wenn der landwehrkanal die sorgen frisst und die deals meistens gut gehen. ich kann nur meine runden gehen, ich komme wieder hier an, man würde mich nicht aus den ritzen zwischen den pflastersteinen herausziehen können, wenn man es versuchte.

04.02.2021

in der glogauer straße wächst zwischen sanddornbüschen der müll. ich blinzle müde in ihn hinein, die ersatzhaltestelle wurde wieder verlegt. vor einigen jahren dachte ich, ich hätte mein herz mit einem pullover und einem körbchen erdbeeren im bus vergessen, aber es hat nur die haltestelle verpasst und nun wurde sie immer wieder verlegt. du warst noch nie auf dem kreuzberg, aber kaum versuchst du es, rutschst du den wasserfall herunter, das wasser ist im flug erfroren, so wie mein lachen hat es kein echo und kein fingerspitzengefühl. es finden keine gebete statt, deswegen werde ich leise gottvergessen, weltversessen.