09.08.2022

die dinge beginnen, mir besser zu gefallen, wenn ich sie mit einer sturen regelmäßigkeit mache. wir frühstücken jetzt (ein unangenehmer teilsatz) wir sitzen da in tshirt und unterhose und mischen ein paar aprikosenstücke und johannisbeeren in unsere magensäure, dann fahre ich etwas zu spät in die stabi. 

regelmäßig ist auch die migräne, sie wechselt stündlich von einem auge ins andere, seit fünf wochen, ich habe einen text über sie geschrieben, aber von der vorstellung, ihn zu veröffentlichen, wird die migräne schlimmer.

es ist schwierig, einen roman zu schreiben, die welt ist zu voll, man muss sich aussuchen, welche bruchstücke man zusammenfügt. zwei freundinnen lesen meine bruchstücke und fügen etwas zusammen, im text oder in mir, weiß ich noch nicht. 

im flugzeug spüre ich, wie das stück apfel, das ich grad nicht genug gekaut habe, durch die speiseröhre wandert, spüre, wie es stecken bleibt, an einer stelle, an der es die kotze blockieren könnte, die kommt, während ich ein buch über einen auschwitzguide lese, von dem leute mir geraten haben, es nicht im urlaub zu lesen, also lese ich es auf dem heimflug.

wir waren im toten meer, es war türkis, rosa, das salz unter den händen schürfend, brannte an den winzigen rissen auf mir, schleimig, warm, es roch nach wasserpfeife und schwefel.

letztens ist mir das erste mal aufgefallen, dass man den mond nur etwa zur hälfte der zeit am nachthimmel sieht, und dann hast du mir erklärt, dass er sonst auf der anderen seite der erde weilt. erst dachte ich: schäm dich, du dummchen, gehst mondblind (meine autokorrektur macht daraus mindblowing) durch die welt, und dann dachte ich, wie gut: ich habe etwas grundlegendes gelernte, es gibt also noch mehr grundlegendes zu lernen. wie erleichternd. dann denke ich daran, dass der mond nur die hälfte der zeit über auschwitz aufging. in yad vashem weinst du in mein leinenkleid, und ich stehe da und schlucke, schlucke, schlucke, es riecht nach kiefern, nach sand, als wir hinaustreten, drinnen war es kalt. auf der rolltreppe belauschen wir einen guide, der einem amerikanischen paar erzählt, warum er seine arbeit gerne macht. und unter uns jerusalem.

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