Allgemein

  • 10.10.2022

    Ich steige aus dem M29 und niese. Direkt neben mir steht die Neue Nationalgalerie, der schöne Mies, für den sich keiner interessiert, ist ja Berlin. Ich steige aus, und niese, weil die Sonne scheint, und plötzlich fällt mir auf, dass ich jedes Mal, wenn die Sonne scheint, auf dem Weg vom Bus zur Stabi an…

  • 09.08.2022

    die dinge beginnen, mir besser zu gefallen, wenn ich sie mit einer sturen regelmäßigkeit mache. wir frühstücken jetzt (ein unangenehmer teilsatz) wir sitzen da in tshirt und unterhose und mischen ein paar aprikosenstücke und johannisbeeren in unsere magensäure, dann fahre ich etwas zu spät in die stabi.  regelmäßig ist auch die migräne, sie wechselt stündlich…

  • 20.05.2022

    es gibt wege, die ist man schon so oft gefahren, dass man sie nicht mehr sieht, dass sie eingewoben sind in den eigenen körper, wege durch ein glück und durch eine trauer, und man wird nie wieder ohne das glück sein und ohne die trauer, es gibt eine stelle am kanal, wo der fahrradweg im…

  • 29.11.2021

    stehe an der airtrain und will kotzen, weil ich gehe, weil ich einen fuß vor den anderen und gehe, hebe, nach vorne beuge, gehe. gehe aus der stadt. habe hier mal gewohnt. jetzt riecht es verbrannt, doch nicht fremd, nicht seltsam. jetzt riecht es sauber, überall riecht es, riecht nach amerika. riecht nach laken und…

  • 02.11.2021

    ein kleiner schluck katze auf dem fensterbrett, gelblaub unter ihm. mein kopf schmerzt, ein scheinbar neuer schmerz, während ich mich in der bibliothek zumindest teilheil fühle, wie ein mensch, der sich in einem leben und unter einer hohen decke bewegt mit anderen menschen in ihren leben, die still in das dunkle schauen, dann wieder in…

  • 29.10.2021

    es ist wolkenlos und ich höre adele dabei zu, wie sie fragt, ob ich mich nicht erinnere oder ob du dich nicht erinnerst. ein klarer tag in einer reihe klarer tage. als hätte jemand den himmel desinfiziert. trotzdem schluchze ich vor sehnsucht nach diesem himmel unter wolkenkratzern auf den schreibtisch. adele sagt, man muss den…

  • 14.09.2021

    vor braunschweig spielt ein kind ein videospiel auf dem handy das trockene gefühl, mitte zwanzig zu sein, auf der zunge getanzt haben, gedacht haben: ah, that’s what i’m supposed to do. richtig. nun nach hause wollen, bevor sich alles wieder ändert. auch die jahreszeit. nach hause wollen, in den herbst, in das leuchten, aber nach…

  • fragen, die ich hab

    erstens: denkst du auch jeden tag an die toten der schoa. denkst du an ihre verzerrten gesichter, an das weinen eines kinds, wenn du mich küsst. denkst du an die schatten von den millionen, die wir mehr wären. denkst du an die schatten, wenn du glücklich bist. zweitens: denkst du, ich bin deine große liebe.…

  • Orthodox, Ultra-Orthodox, Un-Ultra-Orthodox: Judenliteraturkritik beim Bachmannwettbewerb 2021

    Ich habe mich, wie hoffentlich an meinen Freudentränen erkennbar war, unbändig über die positive Resonanz auf meinen Text „Gewässer im Ziplock“ gefreut, den ich bei den 45. Tagen der deutschsprachigen Literatur vorgetragen habe und für den ich den Deutschlandfunkpreis bekommen habe. Dennoch bleibt ein Nachgeschmack, den ich gerne ausformulieren möchte. Ich habe viele nichtjüdische Freund:innen,…

  • 24.06.2021

    es ist warm, in der küche rotten ein paar pfirsiche. der nachbar sitzt im hof und raucht. wir setzen uns zu ihm. der nachbar erzählt von seinem leben, während er kaffee trinkt. manchmal sehe ich ihn, wie er im hof sitzt und schläft. er sieht sehr alt aus bestimmt über achtzig denke ich. dieter erzählt,…